Columbus Day

(Zweiter Montag im Oktober)

Heute weiß jedermann, dass die Welt rund ist. Im XV. Jahrhundert dachten jedoch die meisten Menschen noch, die Welt wäre eine Scheibe. Man glaubte, jemand, der über die Grenzen des bekannten Territoriums hinaussegelte, würde Ungeheuern begegnen oder über den Rand der Welt hinunterstürzen. Wer es wagte, zu denken, die Welt hätte Kugelgestalt, wurde verlacht oder in den Kerker geworfen.

Manche Gelehrte jedoch kamen zu dem Schluss, dass die Welt rund sein müsse. Ein Italiener namens Christoph Kolumbus war so verwegen, diese Vorstellung konkret werden zu lassen. Er ersuchte um Geld, um die Meere zu ergründen und das zu finden, was er für die andere Hemisphäre hielt. Portugal, Italien und England verweigerten sich einem solchen Unterfangen.

Zu jener Zeit suchten Gewürzhändler eine einfachere Route nach Asien. Sie segelten südwärts an Afrika entlang, um das Kap der Guten Hoffnung herum und dann weiter ostwärts. Christoph Kolumbus überzeugte Königin Isabella von Spanien, dass es einfacher wäre, direkt nach Westen zu segeln, um die Reichtümer Indiens und Asiens zu finden. Er versprach, dass eine neue Route und wahrscheinlich neue Länder für die spanische Krone gefunden werden würden.

Im Jahre 1486 bat Kolumbus Königin Isabella zum ersten Mal um Hilfe, doch ihre Zustimmung kam erst Jahre später … und unter der Bedingung, dass er Inseln und neue Territorien für Spanien erobern müsse. Kolumbus würde dann auch den Titel „Admiral aller Ozeane“ und ein Zehntel der aus seinen Entdeckungen stammenden Reichtümer erhalten.

Schließlich, am 3. August 1492, stach er mit 90 Mann auf dem FlaggschiffSanta Maria in See. Zwei weitere Schiffe, die Nina und die Pinta, kamen mit. Sie segelten westwärts. Drei lange Monate vergingen. Seine Männer ermatteten, wurden krank und drohten, umzukehren. Kolumbus ermutigte sie, überzeugt, dass sie die Gewürzroute nach Osten finden würden. Am 11. Oktober um zehn Uhr Abend sah Kolumbus einen Lichtschein. Die Pintasegelte hin und berichtete, dass der Lichtschein Land wäre. Bei Tagesanbruch landeten sie.

Christoph Kolumbus und seine Mannschaft hatten erwartet, die Einwohner Indiens zu sehen oder zum großen Führer Khan gebracht zu werden. So nannten sie die ersten Menschen, die sie sahen, „Indianer“. Sie gingen in ihren besten Kleidern an Land, knieten nieder und priesen den Herrn für die sichere Ankunft. Von den „Indianern“ erfuhren sie, dass die Insel Guanahani genannt wurde. Kolumbus bedachte sie mit dem christlichen Namen San Salvador und nahm sie sofort für Spanien in Besitz. Als sie auf dem heutigen Kuba landeten, dachten sie, sie wären in Japan. Nach drei weiteren Reisen hing Kolumbus immer noch diesem Glauben an. Er starb reich und berühmt, doch er hatte nie erfahren, dass er Land entdeckt hatte, von dem wenige Menschen gedacht hätten, dass es existierte.

Kolumbus beendete seine Reise in der heutigen Karibik, entweder auf Watling Island, Grand Turk Island, oder Samana Cay. Im Jahre 1926 wurde Watling Island in San Salvador umbenannt und als erstentdecktes Land in der Neuen Welt anerkannt. Kürzlich jedoch wurde dieser Anspruch von manchen bestritten. Drei Männer aus Miami, Florida, haben eine Bewegung zur Anerkennung von Conception Island als erste von Kolumbus entdeckte und betretene Insel gegründet. Die Kontroverse ist noch nicht beigelegt.

Erst hunderte Jahre nach der Entdeckung wurde sie groß gefeiert. Der Kontinent wurde nicht einmal nach Kolumbus benannt, sondern nach einem italienischen Entdecker namens Amerigo Vespucci. Im Jahre 1792 wurde in New York eine Feier zu Ehren Kolumbus abgehalten und ihm ein Denkmal gewidmet. Bald darauf erhielt die Stadt Washington offiziell den Namen District of Columbia und wurde zur Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Im Jahre 1892 errichtete man am Anfang der Columbus Avenue in New York City eine Kolumbus-Statue. Im selben Jahr waren anlässlich der Kolumbus-Ausstellung Repliken von seinen drei Schiffen zu sehen.

Die Amerikaner hätten vielleicht gar keinen Columbus Day, wäre Christoph Kolumbus nicht in Italien geboren. Aus Stolz auf ihren Sohn organisierte die italienische Bevölkerung von New York City die erste Feier der Entdeckung Amerikas am 12. Oktober 1866. Im Jahr darauf hielten weitere italienische Organisationen zu jenem Datum in anderen Städten Bankette, Paraden und Tanzveranstaltungen ab. Im Jahre 1869, als die Italiener in San Francisco den 12. Oktober feierten, nannten sie ihn Columbus Day.

1905 war Colorado der erste Staat, der einen Columbus Day feierte. Die folgenden Jahrzehnte hindurch schlossen sich andere Staaten an. 1937 erklärte Präsident Franklin Roosevelt jeden 12. Oktober zum Kolumbustag. Seit 1971 wird der Tag am zweiten Montag im Oktober begangen.

Obwohl allgemein anerkannt ist, dass Christoph Kolumbus der erste Europäer war, der die Neue Welt entdeckte, gibt es darüber auch immer noch andere Ansichten. Manche Forscher und Exponenten anderer Entdecker schreiben die Entdeckung Amerikas den Vikingern Skandinaviens zu oder irischen Missionaren, die Kolumbus zuvorgekommen sein könnten. Diese Kontroverse wird wohl nie gänzlich zu jedermanns Zufriedenheit beigelegt werden. In jedem Fall wurde 1992 der 500. Jahrestag der Entdeckung des Christoph Kolumbus gefeiert.