Dr. Martin Luther King Day

(3. Montag im Januar)

„Wir werden nicht zu Gewalt greifen. Wir werden uns nicht vom Hass entwürdigen lassen. Liebe wird nicht mit Hass vergolten werden.“
(Dr. Martin Luther King, Jr.)

Es war im Dezember 1955. Martin Luther King, Jr. war gerade sein Doktorat in Theologie verliehen worden. Er war nach Montgomery im Bundesstaat Alabama gezogen, um in einer Baptistenkirche zu predigen. Dort sah er, dass sich schwarze Amerikaner wie in vielen anderen Südstaaten auch, im hinteren Teil der öffentlichen Busse aufhalten mussten. Dr. King wusste, dass dieses Gesetz die Rechte jedes schwarzen Amerikaners verletzte. Er organisierte und leitete einen Boykott öffentlicher Busse in der Stadt Montgomery. Jedermann, schwarz oder weiß, der gegen die Rassentrennung war, weigerte sich, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Wer den Boykott mittrug, wurde bedroht oder auch angegriffen, selbst von der Polizei festgenommen oder eingesperrt. Nach 382 Tagen des Boykotts erklärte der Oberste Gerichtshof das Rassentrennungsgesetz im Bundesstaat Alabama für verfassungswidrig.

Für Amerikaner afrikanischer Abstammung herrschte nicht nur im gesamten Süden Amerikas in Bussen getrennte Sitzordnung. Sie waren auch nicht berechtigt, zu gleichen Bedingungen zu wohnen und in vielen Hotels und Restaurants verweigerte man ihnen den Platz.

1957 gründete Dr. King die Southern Christian Leadership Conference und zog wieder in seine Heimatstadt Atlanta im Bundesstaat Georgia. Dies war der Beginn der Bürgerrechtsbewegung. In den darauf folgenden Jahren organisierte er weitere gewaltfreie Proteste gegen die ungleiche Behandlung schwarzer Amerikaner. Seine Philosophie blieb dem Frieden verhaftet und er erinnerte seine Anhänger immer wieder, dass ihr Kampf nur siegreich sein würde, wenn sie auf Blutvergießen verzichteten. Dennoch wurden er und seine Anhänger oft angegriffen. Demonstrationen, die friedlich begannen, endeten oft in Gewalt und Martin Luther King, Jr. wurde neben zahlreichen anderen immer wieder festgenommen.

Am 28. August 1963 versammelten sich über 250.000 Menschen in Washington, D.C. und marschierten zum Kapitol, um Gesetze zu verlangen, die gleiche Bürgerrechte für jeden Amerikaner garantieren sollten. Dr. Martin Luther King, Jr. führte diesen „Marsch nach Washington“ an. Auf den Stiegen des Lincoln Memorial hielt Dr. King eine Rede, die später unter dem Titel „I Have a Dream“ bekannt wurde. Der Marsch war eine der größten Versammlungen schwarzer und weißer Menschen, die jemals in der Hauptstadt Amerikas stattgefunden hatten…und völlig ohne Gewalt.

Ein Jahr danach wurde der Civil Rights Act 1964 verabschiedet. Dieses Gesetz war nicht das erste Bürgerrechtsgesetz für die Amerikaner, doch das gründlichste und effektivste. Das Gesetz garantierte gleiche Rechte betreffend Niederlassung, öffentliche Verkehrsmittel, Wahlen und öffentliche Schulen. Jedem wurden unparteiische Anhörungen und Gerichtsverfahren garantiert. Eine Bürgerrechtskommission sollte sicherstellen, dass die Bürgerrechtsgesetze auch umgesetzt würden. Dr. Martin Luther King, Jr. und tausende andere wussten nun, dass sie nicht vergebens gekämpft hatten. Im selben Jahr wurde Dr. King der Friedensnobelpreis für gewaltfreie Demonstrationen verliehen.

1968 wurde Dr. Martin Luther King, Jr. während er einen Arbeiterstreik in Memphis, Tennessee anführte, ermordet. Weiße und Schwarze, die so hart für Frieden und Bürgerrechte gekämpft hatten, waren tief betroffen und wütend. Die Welt trauerte um diesen Mann des Friedens.

Es folgt ein Auszug aus der Rede „I Have a Dream“, die Dr. Martin Luther King, Jr. am 28. August 1963 auf den Stufen des Lincoln Memorial hielt.

„ICH HABE EINEN TRAUM“

Ich sage euch heute, meine Freunde, dass ich trotz der momentanen Schwierigkeiten und Frustrationen immer noch einen Traum habe. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe den Traum, dass diese Nation eines Tages aufstehen und die wahre Bedeutung ihres Bekenntnisses leben wird: „Wir erachten diese Wahrheiten für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geboren sind.“

Ich habe den Traum, dass sich eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne ehemaliger Sklaven und die Söhne ehemaliger Sklavenbesitzer gemeinsam an den Tisch der Brüderlichkeit setzen werden können.

Ich habe den Traum, dass eines Tages sogar der Bundesstaat Mississippi, ein Wüstenstaat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung glüht, in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandelt wird.

Ich habe den Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden, sondern nach ihrem Charakter…

Ich habe heute einen Traum.

Ich habe den Traum, dass eines Tages der Bundesstaat Alabama… sich so verändern wird, dass kleine schwarze Jungen und schwarze Mädchen mit kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen Hand in Hand wie Schwestern und Brüder gehen werden können.

Ich habe heute einen Traum.

Ich habe den Traum, dass eines Tages jedes Tal erhoben und jeder Hügel und Berg erniedrigt werden wird. Was uneben ist, wird eben, was ungerade ist, gerade, und die Herrlichkeit unseres Herrn wird offenbar, und alle, egal welchen Fleisches, werden sie gemeinsam schauen.

Dies wird der Tag sein, wenn alle Kinder Gottes dieses Lied mit einer neuen Bedeutung werden singen können: „My country ‚tis of thee, sweet land of liberty, of thee I sing. Land where my fathers died, land of the pilgrim’s pride, from every mountainside, let freedom ring.“ („Mein Land, süßes Land der Freiheit, von dir singe ich. Land, in dem meine Väter starben, Stolz der Pilgerväter, von jedem Berge soll Freiheit erklingen“.)

Und wenn Amerika eine wirklich große Nation werden soll, dann muss dies wahr werden. Lasst also die Freiheit erklingen von den reichen Hügeln New Hampshires.

Lasst die Freiheit erklingen von den mächtigen Bergen New Yorks!

Lasst die Freiheit erklingen von den hohen Alleghenies in Pennsylvania!

Lasst die Freiheit erklingen von den schneebedeckten Rockies in Colorado!

Lasst die Freiheit erklingen von den geschwungenen Gipfeln von Kalifornien!

Doch nicht nur das; lasst die Freiheit erklingen vom Stone Mountain in Georgia!

Lasst die Freiheit erklingen vom Lookout Mountain in Tennessee!

Lasst die Freiheit erklingen von jedem Hügel und Maulwurfshügel in Mississippi!

Von jedem Berge, lasst die Freiheit erklingen!

Wenn wir die Freiheit erklingen lassen, wenn wir sie aus jedem Dorf und Weiler, jedem Staat und jeder Stadt klingen lassen, werden wir jenen Tag früher erleben, an dem sich alle Kinder Gottes, Schwarze und Weiße, Juden und Nichtjuden, Protestanten und Katholiken, die Hände reichen und mit den Worten jenes altbekannten Negro-Spirituals singen können: „Endlich frei! Endlich frei! Danke, allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!“

Die Entstehung des Feiertags

Der Tod von Dr. Martin Luther King, Jr. hielt die Bürgerrechtsbewegung nicht auf. Schwarze und Weiße kämpften weiter für Freiheit und Gleichheit. Coretta Scott King ist die Witwe des Bürgerrechtsführers. Im Jahre 1979 gründete sie das Martin Luther King, Jr. Memorial Center in Atlanta, Georgia. Diese „lebende Gedächtnisstätte“ besteht aus dem Haus, in dem er seine Kindheit verbrachte und der Ebenezer Baptist Church, wo Dr. King begraben ist.

Am 20. Januar 1986 feierten die Leute in zahlreichen großen und kleinen amerikanischen Städten den ersten offiziellen Martin Luther King – Tag, den einzigen bundesweiten Feiertag, der einem schwarzen Amerikaner gewidmet ist. Eine Feier in einer alten Bahnremise in Atlanta, Georgia, war dabei besonders ergreifend. Hunderte Menschen hatten sich versammelt, um zu singen und zu marschieren. Viele von ihnen waren auch 1965 dabei gewesen, als man fünfzig Meilen von einer Stadt in Alabama zu einer anderen gegangen war, um gegen die Rassentrennung und Diskriminierung schwarzer Amerikaner zu protestieren.

Die gesamten 80er Jahre hindurch war die Vorstellung eines Feiertages zu Ehren Martin Luther Kings nicht unumstritten. Kongressabgeordnete und Bürger hatten eine Petition eingebracht und wollten, dass der Präsident den 15. Januar, den Geburtstag von Dr. Martin Luther King, Jr., zum bundesweiten Feiertag erkläre. Andere befürworteten den Sterbetag und manche wollten überhaupt keinen Feiertag.

Viele Jahre hindurch beging man den 15. Januar als offiziellen Feiertag in 27 Staaten und in Washington, D.C. Schließlich, im Jahre 1986, erklärte Präsident Ronald Reagan den dritten Montag im Januar zum bundesweiten Feiertag im Gedenken an den Geburtstag von Dr. Martin Luther King, Jr.

Schulen, Büros und Bundesbehörden sind an diesem Tag geschlossen. Am Montag finden ruhige Gedenkfeiern wie auch aufwändige Feiern zu Ehren Dr. Kings statt. Am Sonntag davor erinnern Priester aller Religionsgemeinschaften an Dr. King’s Leben im Dienste der Arbeit für den Frieden. Das ganze Wochenende hindurch bringen Radiostationen Lieder und Reden zur Geschichte der Bürgerrechtsbewegung. Im Fernsehen werden Sondersendungen über Dr. Kings Leben und seine Ära ausgestrahlt.