Stadtkulturen – von Greenwich Village bis Abu Dhabi

Von 21.-28. August fand an der TU Wien mit Unterstützung der US Botschaft die Sommeruniversität zum Thema ”Smart Cities – Designing Places and Urban Mentalities” statt. Neben Vorlesungen gab es Workshops für VertreterInnen aus der Praxis sowie mehrere öffentliche Vorträge. So referierte Harvey Molotch, Professor für Soziologie an der New York University, am 25. August vor mehr als 130 ZuhörerInnen im Amerika Haus zum Thema “City Cultures: From Greenwich Village to Abu Dhabi.” Nach einführenden Worten von US Kulturattaché Kellee Farmer sowie TU Wien Vizerektor Kurt Matyas stellte Professor Molotch zwei gegensätzliche Stadtmodelle vor: einerseits Greenwich Village als ein Paradebeispiel für die persönliche Begegnung von Individuen sowie Nachbarschaftskultur; andererseits Abu Dhabi als Prototyp der modernen, raumgreifenden Stadt, der ein Plan zugrunde liegt. Unter Verweis auf die amerikanisch-kanadischen Autorin, Journalistin und städteplanerische Aktivistin Jane Jacobs stellte Molotch die für das Greenwich Village Modell bestimmenden Merkmale vor: das bewusste Zulassen zufälliger Begegnungen zwischen Individuen, Diversität sowie Nähe. Während das Greenwich Village Modell den Höhepunkt der Teilhabe von BewohnerInnen an Ihrer Stadt darstellt, repräsentiert Abu Dhabi in Harvey Molotchs Augen das genaue Gegenteil. Nach einem inhaltlichen Verweis auf die historischen Entwicklungen und die herrschende politische Situation in diesem Teil des Nahen Ostens erläuterte der Soziologe die Herausforderungen, die einer Stadt wie Abu Dhabi aus ihrer Topographie, dem Klima und der herrschenden (Stammes-) Kultur erwachsen. Abschließend stellte Molotch ein neues Bauprojekt vor, das derzeit in Abu Dhabi realisiert wird. Nach Plänen von Sir Norman Foster und in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) soll hier bald ein Nullenergie- und Null-Emission Haus entstehen. Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Professor Molotch Fragen aus dem Publikum, das mehrheitlich aus Studierenden der TU Wien bestand.