175. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen USA-Österreich

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Im Jahr 2013 begehen wir den 175. Jahrestag des Beginns der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Österreich. Am 8. Februar 1838 wurde Henry A. Muhlenberg, ein aus Lancaster, Pennsylvania, stammender Geistlicher und späterer Kongressabgeordneter, zum ersten amerikanischen Gesandten am Wiener Hof ernannt. Die Habsburgermonarchie erwiderte diese Geste durch die Entsendung von Baron de Mareschal, der Präsident Martin Van Buren im Oktober 1838 sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Muhlenberg und de Mareschal oblag es, die dauerhaften und freundschaftlichen diplomatischen Beziehungen, die unsere beiden Länder seither verbinden, zu begründen.

Auch wenn der Anfang der US-amerikanischen diplomatischen Beziehungen mit Österreich offiziell auf das Jahr 1838 datiert wird, bestanden aufgrund des Interesses der Donaumonarchie an Handelsmöglichkeiten in der Neuen Welt schon Jahrzehnte früher Kontakte zwischen den beiden Ländern. Im Laufe der Geschichte war dieses Verhältnis nicht immer von Harmonie geprägt. Viel wichtiger ist jedoch, dass es sich so entwickelte, dass auch Hindernisse von historischer Auswirkung überwunden wurden. Heute, 175 Jahre später, sind beide Länder durch ihre gemeinsamen Ziele für eine sichere und gerechte Welt eng verbunden.

Im Jahr 1777 ernannte der US Kongress William Lee zum ersten diplomatischen Vertreter seines Landes in Wien. Er wurde jedoch am österreichischen Kaiserhof nicht empfangen, da man es ablehnte, ein Land anzuerkennen, das sich gegen einen Monarchen aufgelehnt hatte. In den Akten der Hofkanzlei bezeichnete man die amerikanischen Repräsentanten als „Rebellen“ und „Aufständische“. Dennoch unterhielt die Monarchie mit den Kolonien während der Amerikanischen Revolution Handel mit Waffen und verfolgte wirtschaftliche Interessen auf dem Baumwoll- und Tabakmarkt. Diese Zwiespältigkeit kennzeichnete die Beziehungen Österreichs mit den USA bis ins späte 19. Jahrhundert.

Österreich erkannte jedoch im Jahr 1797 die Vereinigten Staaten mit Conrad Frederick Wagner als US Konsul in Triest an. 1820 wurde in New York ein österreichisches Konsulat unter der Leitung von Alois Freiherr von Lederer errichtet. Am 20. Dezember 1825 verkündete US Außenminister Henry Clay die Bereitschaft seines Landes, einen Handels- und Schifffahrtsvertrag mit Österreich abzuschließen. Kaiser Franz I beauftragte Freiherr von Lederer 1828 mit den Verhandlungen zu diesem Vertrag, was den Anstoß zu einer formellen Diskussion des bilateralen Handels gab. Der Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Österreich wurde am 27. August 1829 in Washington, D.C. unterzeichnet, und blieb nach dem Austausch der Ratifizierungsurkunden von 10. Februar 1831 bis zum Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg in Kraft.

Die diplomatischen Beziehungen begannen offiziell mit der Ernennung von Henry A. Muhlenberg zum ersten amerikanischen Gesandten in Wien am 8. Februar 1838. Er legte seine Akkreditierung am 7. November 1838 vor. Der erste österreichische Gesandte in den Vereinigten Staaten, Wenzel Philipp Baron von Mareschal, errichtete die österreichische Gesandtschaft in Washington, D.C., und präsentierte seine Akkreditierung am 13. Oktober 1838.

Bis 1850 errichtete Österreich 11 Honorarkonsulate, hauptsächlich entlang der Golf- und Atlantikküste, die sich in erster Linie mit Tabak- und Baumwollhandel befassten. Im Laufe der Zeit, und trotz zweier Weltkriege, bauten die USA und Österreich ihre heute blühenden Handelsbeziehungen weiter aus. Die USA sind mittlerweile der drittgrößte Investor in Österreich. US Firmen wiederum bietet Österreich einen attraktiven und florierenden Exportmarkt. Amerikanische Firmen haben mehr als 20 Milliarden US Dollar in Österreich investiert, und beschäftigen heute mehr als 30.000 österreichische Staatsbürger. Umgekehrt investierten etwa 130 Betriebe aus Österreich über 6,9 Milliarden US Dollar in den USA und beschäftigen 25.000 amerikanische Staatsbürger. Für beide Staaten sind gegenseitiger Handel und Investitionen ein dynamischer, kontinuierlich wachsender Bereich.

Im Jahr 1734 überquerten fünfzig protestantische, aus Salzburg vertriebene Familien in einer zweimonatigen Reise den Atlantik und gründeten in Georgia eine Gemeinde mit dem Namen Ebenezer. Diese Salzburger und ihre Nachfahren spielten eine wichtige Rolle in der Geschichte dieses US Staates und der Vereinigten Staaten. Sie waren unter den ersten Siedlern in Amerika, die gegen die Sklaverei eintraten und zeichneten sich durch ihren Einsatz und ihren Beitrag zum wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Leben aus.

Einwanderung aus Österreich-Ungarn in die USA gab es im gesamten Verlauf des 19. Jahrhunderts; sie erreichte in den ersten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts einen Höhepunkt. Die Monarchie als Vielvölkerstaat macht es heute schwierig, die genaue Zahl der österreichischen Immigranten in die Vereinigten Staaten vor 1918 zu bestimmen. Aufzeichnungen belegen jedoch, dass mehr als 2,1 Millionen Menschen die Länder der österreich-ungarische Monarchie in Richtung USA verließen. Sie bildeten damit die größte Gruppe von Einwanderern in dieser Zeit.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs kam die österreichische Einwanderung in die USA nahezu zum Erliegen. Zwischen 1919 und 1924 kamen weniger als 20.000 Österreicher in die Vereinigten Staaten; etwa 60 Prozent dieser Emigranten stammten aus dem Burgenland.

Laut US Volkszählung berufen sich 735.128 Amerikaner auf eine österreichische Herkunft. Der Großteil von ihnen lebt in New York, Kalifornien, Pennsylvania, Florida, Illinois und New Jersey. So wie ihre Vorfahren bereichern sie die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Österreich.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verfolgten die USA eine Politik der Konfliktvermeidung bei gleichzeitigen Bemühungen um Frieden. Trotz dieser Strategie sah sich Präsident Woodrow Wilson – mit Verweis auf Deutschlands Verletzung seiner Verpflichtung zur Aussetzung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs – am 2. April 1917 in einer Sondersitzung des US Kongresses gezwungen, seine „War Message“ zu verkünden und einen Antrag auf Kriegserklärung gegen Deutschland zu stellen. Vier Tage später wurde diese mit überwältigender Mehrheit vom Kongress verabschiedet. Daraufhin brach Österreich-Ungarn am 8. April 1917 die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten ab, und acht Monate später, am 7. Dezember 1917, erklärten die USA der Donaumonarchie den Krieg.

Am 8. Januar 1918 legte Wilson dem Kongress seine historischen „Vierzehn Punkte“ vor, und schuf so das Rahmenwerk für eine politische Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Punkt Zehn forderte, dass den Völkern Österreich-Ungarns die „freieste Gelegenheit zu autonomer Entwicklung“ zugestanden werden sollte, was zum Zerfall der Habsburgermonarchie beitrug. Anders als ihre Verbündeten, ratifizierten die USA am 10. September 1919 den Vertrag von Saint-Germain nicht, da dieser auch die Satzung des Völkerbunds enthielt, ein Konzept, das damals im US Kongress keine Unterstützung fand. Stattdessen unterzeichneten die USA am 24. August 1921 einen Vertrag zur Begründung freundschaftlicher Beziehungen mit Österreich und erkannten die junge Republik an.

In den 1930er Jahren beeinflussten sowohl die Weltwirtschaftskrise als auch die Erinnerung an die tragischen Verluste im Ersten Weltkrieg die USA zugunsten einer Politik der Nichteinmischung. Obwohl das Aufkommen des Faschismus als Bedrohung für den internationalen Frieden angesehen wurde, schränkte die Wirtschaftskrise die Handlungsfähigkeit Amerikas ein.

Im März 1938 berichtete der US Chargé d’Affaires ad interim John C. Wiley aus Wien, dass die Situation „in der Visaabteilung einem Belagerungszustand gleicht“. Zwischen dem Anschluss Österreichs an Nazi Deutschland im selben Jahr und dem Kriegseintritt der USA im Jahr 1941 emigrierten 29.000 Österreicher in die Vereinigten Staaten. Etwa 80 Prozent dieser Auswanderer waren Juden: Experten und Intellektuelle, Ärzte, Anwälte, Architekten, Wissenschafter, Musiker und Komponisten, sowie Künstler aus der Film- und Theaterwelt. Ihnen bot sich in den USA die Möglichkeit, weiterhin bedeutende Beiträge zu globalen, für uns heute noch wichtigen Errungenschaften zu leisten.

Im Jahr 1940 verlagerte sich die politische Haltung der USA aufgrund ihrer Unterstützung für die mit Deutschland, Italien und Japan im Krieg befindlichen Staaten von neutral zu nicht-kriegsführend. Am 7. Dezember 1941 griff Japan den US Marinestützpunkt in Pearl Harbor an, was zum formellen Kriegseintritt der USA führte. Während der Kriegsjahre waren die diplomatischen Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Österreich wiederum unterbrochen; doch bot die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg politische und wirtschaftliche Chancen, die die Beziehungen zwischen den USA und Österreich neu definierten. Trotz einiger weniger Kontroversen und Unstimmigkeiten, wie zum Beispiel die „Waldheim Affäre“ im Jahr 1986, haben die Vereinigten Staaten und Österreich die Basis für ein gemeinsames Engagement für humanitäre Werte und demokratische Institutionen geschaffen, von denen die heutige Gesellschaft beeinflusst wird.

Um langfristig einen neuen Weltkrieg zu verhindern, setzten die USA zum ersten Mal auf Wirtschaftshilfe als strategisches Element ihrer Außenpolitik, und boten Europa signifikante Unterstützung an. Bis Juni 1947, als die UN Hilfs- und Wiederaufbauorganisation ihre Lebensmittellieferungen an Österreich beendete, gaben die Vereinigten Staaten 300 Millionen US Dollar für Nahrungsmittelhilfe zur Vermeidung einer Hungersnot aus.

Am 3. April 1948 unterzeichnete Präsident Harry S. Truman das Gesetz zur Wirtschaftszusammenarbeit, das die Errichtung des Europäischen Wirtschaftswiederaufbauprogramms (European Recovery Program, ERP) ermöglichte, welches später unter dem Namen „Marshallplan“ in die Geschichte einging. Die österreichische Regierung nahm das Angebot zum Beitritt an, worauf am 2. Juli 1948 das betreffende bilaterale Abkommen unterzeichnet wurde. Die US Regierung finanzierte die Lieferung von Lebensmitteln, Maschinen und Rohstoffen nach Österreich. Die Hilfe aus dem Marshallplan für Österreich zwischen Juli 1948 und Dezember 1953 belief sich auf insgesamt 962 Millionen US Dollar – somit war Österreich nach Norwegen der größte Pro-Kopf-Empfänger von ERP Hilfe. Zusätzlich zum ERP wurden überall in Österreich sogenannte „Amerika Häuser“ als eine Art „geistiger Marshallplan“ errichtet, die als Bibliotheken, Konzertsäle und Kinos fungierten, um so die kulturellen Bande und gemeinsamen Werte zwischen Österreichern und Amerikanern aufzubauen und zu stärken.

Am 29. März 1961 unterzeichneten der österreichische Bundeskanzler Julius Raab und US Botschafter H. Freeman Matthews das „ERP-Counterpart-Abkommen“, mit dem die auf ein sogenanntes Sonder- oder Counterpart-Konto eingezahlten ERP Geldmittel in die Verfügungsgewalt des österreichischen Staates übergeben wurden. Mit Vermögenswerten von etwa 3,5 Milliarden US Dollar und jährlichen Darlehen von 356 Millionen US Dollar ist der ERP Fonds bis heute aktiv und eines der bedeutendsten und dynamischsten Instrumente der österreichischen Struktur- und Wirtschaftspolitik. Anlässlich des 60. Jahrestags von George Marshalls historischer Rede wurde im Juni 2007 die Marshallplan-Jubiläumsstiftung zur Förderung bildungsbezogener Austauschprogramme für Amerikaner und Österreicher ins Leben gerufen.

Als Teil des Wiederaufbauprogramms nach dem Zweiten Weltkrieg bot das Fulbright-Gesetz von 1946 wirtschaftliche Unterstützung in den Bereichen Bildung und Forschung, und legte den Grundstein für das führende akademische Austauschprogramm der Vereinigten Staaten. Österreich war im Jahr 1950 unter der ersten Gruppe von Ländern, die eine binationale Fulbright Kommission gründeten. Der geistige Vater dieses amerikanischen akademischen Vorzeigeaustauschprogramms war Senator J. William Fulbright, der es ins Leben rief um „das gegenseitige Verständnis zwischen den Menschen der Vereinigten Staaten und den Menschen anderer Länder zu fördern … und so die Entwicklung freundschaftlicher, von gegenseitigem Verständnis gekennzeichneter und friedlicher Beziehungen zu unterstützen“. Seit 1951 haben mehr als 2.300 Amerikaner und 3.500 Österreicher an diesem Programm teilgenommen, und seit 1963 wird es von Österreich mitfinanziert. Dank der Fulbright Kommission und unter der Schirmherrschaft des Foreign Language Teaching Assistant Program des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur waren bisher über 2.800 Absolventen von US Universitäten an Sekundarschulen in ganz Österreich tätig.

Auch andere Austauschprogramme zwischen den Vereinigten Staaten und Österreich haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich weiterentwickelt. IES Abroad, die größte Vermittlerorganisation von Austauschprogrammen für amerikanische Studenten, wurde im Jahr 1950 am Institut für Europäische Studien in Wien gegründet. Jedes Jahr studieren dank der von österreichischen und amerikanischen Bildungseinrichtungen entwickelten Programme etwa 1.000 Österreicher an Universitäten in den USA, und circa 2.700 Amerikaner in Österreich.

Im Laufe der letzten 60 Jahre wurden mehr als 1.000 Österreicher eingeladen, am International Visitor Leadership Program (IVLP) teilzunehmen, dem wichtigsten Experten-Austauschprogramm des US Außenministeriums. Im Rahmen von Kurzbesuchen in den Vereinigten Staaten erhalten derzeitige und künftige führende Vertreter einer ganzen Reihe von Fachgebieten einen direkten Einblick in die amerikanische Kultur und Gesellschaft und können dauerhafte Beziehungen zu ihren Kollegen in den USA aufbauen.

Am 15. Mai 1955 waren die USA einer der Signatarstaaten bei der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags, der die Besatzungszeit der vier Alliierten beendete und Österreich zu einem freien, unabhängigen und neutralen Staat erklärte. Aufgrund der Neutralität Österreichs fungiert Wien oft als Standort für wichtige internationale Gipfeltreffen und ist offizielle Niederlassung multilateraler und internationaler Organisationen. Neben der bilateralen Botschaft in Österreich unterhält das US Außenministerium hier diplomatische Vertretungen bei den Vereinten Nationen in Wien (UNVIE) und bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Auch wenn der Zugang zu regionalen und internationalen Themen in den USA und Österreich manchmal unterschiedlich sein mag, haben beide Länder viele Werte und Sichtweisen gemein: Unterstützung für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit, Engagement für die Reduzierung der durch den Klimawandel und die Verbreitung von Atomwaffen verursachten Bedrohungen, und eine gemeinsame Vision von Frieden und Freiheit für alle Menschen. Österreich und die Vereinigten Staaten sind Partner bei der Förderung von Sicherheit und Wohlstand weltweit und kooperieren bei globalen Fragen wie der Bekämpfung von Terrorismus, illegalem Drogenhandel, organisiertem Verbrechen und Menschenhandel.

Die beiden Staaten vereinen auch familiäre Bande, direkter persönlicher Austausch und Kontakte in den Bereichen Wirtschaft, Kunst, Bildung und Forschung, Sport und Freizeit. Letztes Jahr besuchten mehr als 175.000 Österreicher die USA und fast 500.000 Amerikaner kamen nach Österreich.