„70 Years Marshall Plan“-Ausstellung in der WKO-Tirol

Am 1. März wurde die Jubiläumsausstellung „70 Years Marshall Plan” in der WKO-Tirol eröffnet. Bezirksobmann Dr. Karl Josef Ischia strich in seinen Willkommensworten den Weitblick und die Großzügigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Ende des 2. Weltkriegs hervor. Seine Stellvertreterin Mag. Barbara Traweger-Ravanelli würdigte die Rolle des Tirolers Dr. Walter Hörmann, der für die korrekte Abwicklung landwirtschaftlicher Investitionen im Rahmen des European Recovery Program (ERP) in der Region verantwortlich zeichnete, und dessen Tochter Angelika Hörmann bei der Eröffnung in der WKO anwesend war. US-Kulturattaché Nathanael Lynn erinnerte an einen Kommentar von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen über seine Heimatregion Kaunertal, die ebenfalls vom Marshallplangeldern profitiert hatte. Dr. Hans Petschar, Direktor des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, beschrieb die prekäre wirtschaftliche Lage Österreichs in den Jahren unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und merkte an, dass ohne den Marshallplan wohl viele ÖsterreicherInnen verhungert wären. Als Beispiele für Projekte, die mit Marshallplangeldern unterstützt wurden, nannte er etwa das Hotel Europa in Innsbruck, die Straße Lech-Warth sowie eine Reihe von Seilbahnen im Tiroler Raum. Als Grund, warum der Marshallplan seither nicht dupliziert worden ist, nannte Petschar mehrere Schlüsselfaktoren, die maßgeblich zum Erfolg des Plans beigetragen haben: Wiederaufbau bestehender statt Aufbau neuer Strukturen; eine funktionierende Verwaltung; gut ausgebildete Arbeitskräfte; eine demokratische Grundausrichtung; eine Bevölkerung, die an den Marshallplan glaubte; und nicht zuletzt das Fehlen von Korruption.

Gleichzeitig, so Petschar, hatten die Organisatoren des Marshallplans beachtliche fünf Prozent der Gelder für PR-Maßnahmen budgetiert. So tourte etwa der Train of Europe durch zahlreiche österreichische Städte, um für den Marshallplan Stimmung zu machen. Außerdem konnte sich die Bevölkerung in einer Reihe von Amerika Häusern, die über das ganze Land verteilt waren, über die Vereinigten Staaten und ihre politischen Grundsätze informieren.

Bereits 1950 fanden in österreichischen Städten, darunter auch Innsbruck, die ersten Ausstellungen über den Erfolg des Marshallplans statt, üblicherweise in Kombination mit Wirtschaftsmessen.

Zwar führte der Beginn des Koreakriegs im Jahr 1951 zur Umschichtung von Geldern, was den Erfolg des Marshallplans in gewisser Hinsicht schmälerte, doch können seine Auswirkungen auf die Entwicklung Europas dennoch nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Marshallplan schuf die Basis für Österreichs späteren Beitritt zur Europäischen Union ebenso wie er die Trennung Europas in zwei Lager begünstigte. Außenminister George C. Marshalls Überzeugung, dass die Verliererstaaten anders zu behandeln seien als in den Jahren 1918/19, sowie seine Entschlossenheit, die Zivilgesellschaft entsprechend einzubinden, waren ausschlaggebend für den Erfolg des Plans und brachten ihm letztendlich den Friedensnobelpreis ein, so Petschar. Durch die Übertragung des zu diesem Zeitpunkt 11 Milliarden Schilling schweren ERP-Fonds an die Republik Österreich im Jahr 1962 wurde die Fortführung der Investitionen in die österreichische Wirtschaft sichergestellt. Bis zum heutigen Tag vergibt das austria wirtschafts service als Dachorganisation des ERP-Fonds jährlich Kredite im Wert von €500-600 Millionen an österreichische Unternehmen. Auch die Marshallplan-Jubiläumsausstellung wurde vom aws in Auftrag gegeben. Abschließend hob Petschar hervor, dass historisch betrachtet eine Politik, die den Menschen eine Perspektive auf Frieden und Wohlstand bietet, das wirksamste Mittel gegen totalitäre Tendenzen darstellt. Was Österreich betrifft, war es die „Hilfe zur Selbsthilfe“, die das Land im Laufe der letzten 70 Jahre zu einem der reichsten werden ließ.